NICHT GANZ KOSCHER – Eine göttliche Komödie

Drei Religionen. Zwei Männer. Eine Mission.

In die Wüste geschickt hat sich Ben (Luzer Twersky) glatt selbst. Um den Verkuppelungsversuchen seiner Familie in Jerusalem zu entgehen, bietet er sich kurzerhand an, nach Alexandria zu fliegen, um die einst größte jüdische Gemeinde der Welt zu retten. Der fehlt nämlich dringend der 10. Mann, um das Pessahfest zu begehen. Nachdem Ben zuerst das Flugzeug verpasst hat und dann auch noch in der Wüste Sinai aus dem Bus geflogen ist, wird Adel (Haitham Omari), ein mürrischer Beduine auf der Suche nach seinem entlaufenen Kamel, Bens letzte Hoffnung. Vorwärts geht es für beide Männer nur gemeinsam, aber wie vereint man ultraorthodoxe Religionspraktiken aus Brooklyn mit Beduinen-Pragmatismus aus dem Herzen der Wüste? Als auch noch das Auto den Geist aufgibt, geht es bald nicht mehr nur ums gemeinsame Essen, sondern ums nackte Überleben.

Selbst Anhänger oder ausgewiesene Kenner des Judentums, Islams oder Christentums müssen sich mitunter eingestehen, nicht alles über die ihnen jeweils exotische Religion zu kennen. Das fängt bei den Unterschieden einer Nahrungszubereitung als koscher oder halal an und geht bis zum Verständnis darüber, wofür religiöse Bräuche dienen. Während der Beduine es als Freundschaft betrachtet, wenn Essen geteilt wird, leben Juden koscher, um sich nicht mit anderen zu vermischen.

Premiere in Berlin – Foto © René du Vinage

Die Regisseure und Autoren Stefan Sarazin und Peter Keller bleiben sich im Film einem ganz eigenen Rhythmus treu und wurden 2011 nicht umsonst bereits mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet. Sie spielen gekonnt mit den Vorurteilen und Unwissen, das ein jeder über die eine oder andere Weltreligion mit sich trägt und projizieren diese auf zwei Männer, die fast schon als Karikatur ihrer selbst in die Fettnäpfchen des jeweils anderen treten.

Ermöglicht wird das auch durch das gekonnte Charakterspiel von Luzer Twersky als ultraorthodoxer Jude und Haitham Omari als Beduine ohne Kamel. Überhaupt ist die Komödie bis zum letzten Nebendarsteller und Kamel ausgezeichnet besetzt. Das gegenseitige Erkunden von Bräuchen, das im Angesicht eines Überlebenskampfes in einer Freundschaft gipfelt, die über jedem Glauben steht, wird auch für den Zuschauer zur Erkundung. In der kommt nie das Gefühl von Scham auf, einen Aspekt einer Religion noch nicht gewusst zu haben, sondern vielmehr der Freude der Erfahrung. Dazu bezaubert diese Komödie mit märchenhaften Landschaftsaufnahmen der Wüste Wadi Rum, die die Schönheit und Gefahr der Lage ohne Wasser gleichermaßen auszudrücken vermögen.

Unter den wuchtigen Bildern des arabischen Himmels und mit einer Portion Falscher Fisch im Rucksack erscheint die Reise mehr als einmal wie die Reise Moses, nur umgekehrt als Sinnbild der Zusammenkunft. Hier wird Kino zur interkulturellen Verständigung auf allen Ebenen – ein Film für jede Religion.

Ein Roadtrip durch den Sinai, wie er absurder nicht sein kann: „NICHT GANZ KOSCHER – Eine göttliche Komödie“ ist ein ebenso turbulenter wie nachdenklicher Film um unterschiedliche Kulturen und der Frage nach Identität.

Regie und Drehbuch dieser anrührenden Culture-Clash-Komödie verantworten Stefan Sarazin („Nitschewo“) und Peter Keller, die für das Drehbuch mit dem Titel „No Name Restaurant“ 2011 die LOLA für den Deutschen Drehbuchpreis erhielten. Produzent Fritjof Hohagen von enigma film wurde am 20. Mai für seine Leistung bei der herausfordernden Produktion mit dem Produzentenpreis des Bayerischen Filmpreises ausgezeichnet, zusammen mit seinen Mitproduzenten Stefan Sarazin und Peter Keller.


Die überwiegend in der Wüste Sinai spielende Komödie wurde an atemberaubenden Schauplätzen wie dem Wadi Rum in Jordanien gedreht, wo auch „Lawrence von Arabien“ und „Dune“ entstanden.

Filminfos

Gattung:KomödieSpielfilm
Regie:Stefan Sarazin / Peter Keller
Darsteller:Luzer TwerskyHaitham OmariMakram KhouryRaida AdonYussuf Abu-Warda
Drehbuch:Stefan Sarazin / Peter Keller
Kamera:Holger JungnickelAlexander Hasskerl (Dreh Haifa)
Schnitt:Patricia Rommel; Hansjörg WeißbrichChristoph HuttererDavid O.Rogers
Musik:Matthias PetscheMichael Popp
Webseite:alpenrepublik.eu;
Länge:122 Minuten
Kinostart:04.08.2022
Verleih:Alpenrepublik Filmverleih
Produktion:enigma film GmbH, Fritjof Hohagen mit Stefan Sarazin & Peter Keller; BR/arte; Marlen von Isny; Christoph Fisser; Waheed Zamani; Michael Hilscher; Nicole Swidler; Studio Babelsberg; D-Facto Motion, H&V Entertainment
FSK:6
Förderer:FFAMBBFFF BayernDFFF

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