MAYSOON – Ein leises Drama von großer Wucht
„Maysoon“: Sabrina Amali brilliert in einem bewegenden Drama über Liebe, Verlust und Identität
Mit Maysoon gelingt Regisseurin Nancy Biniadaki ein fein beobachtetes, hochaktuelles Drama, das persönliche Krisen und gesellschaftliche Realität eindrucksvoll miteinander verknüpft. Im Zentrum steht eine Frau, deren scheinbar stabiles Leben in Berlin innerhalb kürzester Zeit aus den Fugen gerät – leise erzählt, aber mit nachhaltiger Wirkung.
Maysoon, eine ägyptische Archäologin und Museumsführerin, lebt mit ihrem Partner Tobi und ihren beiden Kindern in Berlin. Ein Alltag, der Sicherheit verspricht – bis Tobi nach einem Strandausflug seine Affäre gesteht. Was folgt, ist kein dramatischer Knall, sondern ein schleichender Zerfall: Beziehung, Vertrauen und Lebensentwurf geraten ins Wanken. Parallel verschärft sich die Situation durch äußere Umstände – ein abgelaufener Reisepass, bürokratische Hürden und die reale Gefahr der Abschiebung. Während sich ihr Leben zunehmend destabilisiert, holen Maysoon zugleich die Erinnerungen an die politisch aufgeladenen Tage des Arabischen Frühlings ein – ein einstiger Aufbruch, der heute in einem neuen Licht erscheint.

Biniadaki inszeniert diese Geschichte bewusst zurückhaltend. Maysoon entfaltet seine Kraft nicht durch laute Dramatik, sondern durch präzise gesetzte Zwischentöne. Die Kamera bleibt nah an der Protagonistin, beobachtet statt zu kommentieren, und verdichtet so die emotionale Fallhöhe. Die klare, reduzierte Bildsprache verstärkt das Gefühl von Intimität und Unsicherheit – ein visuelles Konzept, das die innere Zerrissenheit der Figur subtil widerspiegelt.
Im Zentrum steht die eindrucksvolle Performance von Sabrina Amali, die die Titelfigur mit großer Intensität und bemerkenswerter Feinheit verkörpert. Ihr Spiel ist kontrolliert, nuanciert und von einer stillen Kraft getragen, die lange nachwirkt. Florian Stetter überzeugt als ambivalenter Partner zwischen Nähe und Distanz, während Susanne Bormann, Zoë Valks und Bianca Nawrath das Ensemble mit präzise gezeichneten Nebenfiguren erweitern und dem Film zusätzliche Tiefe verleihen.
Thematisch bewegt sich Maysoon im Spannungsfeld von Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Unsicherheit. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie eng persönliche Lebensentwürfe mit politischen und strukturellen Bedingungen verwoben sind – und wie fragil das Gefühl von Heimat sein kann.
Fazit:
Maysoon ist ein stiller, aber kraftvoller Film, der durch seine Authentizität und seine feinfühlige Inszenierung überzeugt. Getragen von einer herausragenden Sabrina Amali und einem starken Ensemble gelingt Nancy Biniadaki ein sensibles Porträt einer Frau am Wendepunkt ihres Lebens – leise, reflektiert und von hoher gesellschaftlicher Relevanz.
Bei der Berlin-Premiere im Filmkunst 66 am 18.3.2026 waren die Regisseurin und die Hauptdarsteller zugegen, und auch viele weitere Mitwirkende.
Kinostart 19.3.2026
Titelbild ©Andy Riekstina / Sabrina Amali