DANNY REINKE Fall/Winter „Numinous“

0
images (2)(1)


Im Rahmen der Berlin Fashion Week präsentierte Danny Reinke seine Kollektion Numinous, in der der Wald nicht als bloße Kulisse dient, sondern als eigenständige Kraft die gestalterische Erzählung prägt. Präzise eingesetzte Lichtstimmungen verdichteten die Atmosphäre des Runways und intensivierten die narrative Spannung der Show. Die allgegenwärtige Präsenz der Natur war spürbar und bestimmte die Wahrnehmung der gesamten Inszenierung. Die Fashion Show wurde wie gewohnt im Rahmen von COLLECTIVEFOUR gezeigt, dem laufenden Kooperationsprojekt mit Designer Kilian Kerner.

Zwischen Prêt-à-Couture und skulpturalem Design bewegt sich eine Kollektion, deren Silhouetten zugleich Schutz und Verletzlichkeit verkörpern. Volumen trifft auf präzise Schnitte, verlängerte Linien auf fragmentierte Formen. Mäntel, Kleider und Ensembles aus Faux Fur und Schafwolle wirken fast wie eigenständige Wesen, aufmerksam, präsent und in ständiger Wechselwirkung mit ihrem Umfeld.

Materialität bildet das Herzstück der Kollektion. Tüll, transparente Stoffe sowie recycelte und Deadstock-Materialien verschränken sich zu komplexen, mehrschichtigen Oberflächen. Viele Entwürfe tragen bewusst eine unvollendete Anmutung, wie Momentaufnahmen eines sichstetig weiterentwickelnden kreativen Prozesses. Überdimensionierte Tüllformen undvoluminöse Rüschen scheinen in ständiger Bewegung, entziehen sich klaren Konturen undlassen den Blick über die Silhouette schweifen.

Diese Offenheit setzt sich in surreal wirkenden Details fort. Filigranes Lederpatchwork und reich bestickte Applikationen verweisen auf expressive Bildwelten des Expressionismus. Die Formen oszillieren zwischen innerer Spannung und expressiver Intensität. Handgewebte Stoffe aus gesammelten Resten, Schnüren, Wolle, Filz und Lederfragmenten entstehen zu neuen, eigenständigen Textilien. Handgestrickte Pullover, Mützen, Handschuhe und Accessoires verleihen den Looks spürbare Schutzfunktion und Wärme, die zugleich als ästhetisches Statement wirkt.

Leichte, chiffonartige Stoffe legen sich wie Morgendunst über schwerere Materialien und erzeugen fragile, fast flüchtige Kontraste. So entsteht eine Kollektion, die zwischen Natur und Künstlichkeit, äußerer Realität und innerer Wahrnehmung balanciert, geheimnisvoll und emotional aufgeladen. Die Farbpalette bleibt bewusst reduziert, erdige Brauntöne, Grau und Moosgrün dominieren, durchbrochen von subtilen Naturfarben. Vereinzelte Lichtpunkte in Weiß und Creme erinnern an Lichtungen im Wald. Die Komposition wirkt ruhig, konzentriert und atmosphärisch dicht.

Ein zusätzliches, spannendes Kapitel eröffnet die Zusammenarbeit mit Sungyi Lee vom WALA DESIGN LAB. Ihre Arbeiten bringen eine eigene Formensprache und Materialästhetik ein und eröffnen einen Dialog zwischen unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen von Natur, Spiritualität und Raum. Lees Ansatz versteht Materialien, Raum und Atmosphäre als miteinander verbundene Erfahrung und verbindet architektonische Klarheit mit emotionaler Tiefe. Ihre Herangehensweise wurzelt in einem ganzheitlichen Verständnis von Design, das Ästhetik, Funktion und Kontext miteinander verknüpft.

Die Partnerschaft zwischen Danny Reinke und Sungyi Lee basiert auf einem gemeinsamenVerständnis von Design als Ausdruck von Verantwortung, Identität und Kontext. Gestaltung bei WALA DESIGN LAB geht über reine Oberflächenästhetik hinaus und folgt einer Haltung, die Nachhaltigkeit ebenso einschließt wie das Ziel, Räume und Mode mit Bedeutung, Wirkungund emotionaler Resonanz zu füllen.

Feline Basiner

Danny Reinke Fall/Winter NUMINOUS
31.01.2026

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Powered by atecplugins.com